Vergleich von Wahlprogrammen und Grundsatzprogrammen

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vom 03.03.2026 PDF
#822
Allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ihr Recht auf Freizügigkeit gewähren Wir wollen, dass die Bundesregierung die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit sofort beendet.
#823
Es ist beschämend, dass Deutschland Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Mittel- und Osteuropa nach wie vor als EU-Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt und ihnen als eines von ganz wenigen Mitgliedstaaten in den meisten Fällen verbietet, legal zu arbeiten.
#824
Dabei hat sich die ursprüngliche Sorge, dass die Öffnung des Arbeitsmarktes nach Osten zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit führt, längst als unbegründet erwiesen.
#825
Der Effekt dieser restriktiven Arbeitsmarktpolitik ist vielmehr ein anderer: Menschen, die gerne in Deutschland arbeiten und Steuern zahlen möchten, werden diskriminiert und in die Schwarzarbeit gedrängt.
#826
Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerrechte garantieren, Rechte von entsandten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stärken Wir wollen, dass das Recht jeder EU-Bürgerin und jedes EUBürgers auf Gleichbehandlung mit inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch wirklich umgesetzt wird.
#827
In der Entsenderichtlinie muss klargestellt werden, dass entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Dienstleistungen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 80 sind, sondern entsprechend des EG-Vertrages ein Recht auf Gleichbehandlung mit inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben.
#828
Zudem muss gemäß des Grundsatzes des gleichen Lohns für gleichwertige Arbeit am gleichen Ort in der Richtlinie deutlich gemacht werden, dass nationale Tarifverträge in ihren verschiedenen Ausprägungsformen den gleichen Stellenwert haben wie gesetzliche Mindestlöhne.
#829
Auch dürfen die Kontroll- und Ordnungsrechte der Mitgliedstaaten nicht eingeschränkt und die Rechte der Tarifpartner einschließlich des Streikrechtes nicht beschnitten werden.
#830
Gute Arbeit« fördern Wir wollen, dass sich Beschäftigungs- und Arbeitspolitik am Konzept der »Guten Arbeit« orientiert.
#831
Gut ist eine Arbeit, die den Ansprüchen der Beschäftigten an die Gestaltung der Arbeitswelt gerecht wird und die einen gerechten, angemessenen Lohn garantiert.
#832
Das heißt vor allem auch, dass Flexibilität in der Arbeitswelt mit sozialer Sicherheit verbunden sein muss.
#833
Arbeitsrechtliche Standards dürfen nicht aufgrund so genannter flexibler Arbeitsverhältnisse – etwa Leiharbeit, Minijobs oder Scheinselbständigkeit, ausgehöhlt werden.
#834
Wir fordern daher eine europäische Definition von Selbständigkeit, die Scheinselbständigkeit ebenso wie »Briefkastenfirmen« so weit wie möglich verhindert.
#835
Europäische Betriebsräte stärken Wir wollen, dass Betriebsräte europäisch agieren können, wenn europaweit tätige Unternehmen ihre Unternehmenspolitik standortübergreifend formulieren.
#836
Das schließt stille Übernahmen und Teilübernahmen genauso ein wie Verlagerungen und Teilverlagerungen.
#837
Das europäische Kernstück für die betriebliche Mitbestimmung ist für uns GRÜNE eine Richtlinie für Europäische Betriebsräte, die sich ihres Namens als würdig erweist und einen gleichberechtigten fairen sozialen Dialog ermöglicht.
#838
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 81 Dazu braucht es eine echte Revision der bestehenden Richtlinie.
#839
Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass ab 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein europäischer Betriebsrat gebildet werden kann.
#840
Dies würde auch der Tatsache Rechnung tragen, dass sich immer mehr kleine und mittelständische Firmen europäisieren.
#841
Die Pflicht der Unternehmensführung, ihren Euro-Betriebsrat frühzeitig und umfassend zu informieren und zu konsultieren wollen wir stärken und wir treten für eine Ausweitung europäischer Betriebsrätetreffen ein, an denen auch Gewerkschaftsvertreterinnen und Gewerkschaftsvertreter teilnehmen können.
#842
In dem Zusammenhang wollen wir auch die Rahmenrichtlinie für Information und Konsultation anpassen und sie in Bezug auf die Verfahren und die Sanktionen verbindlicher gestalten und die Rolle der Gewerkschaften aufwerten.
#843
Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen Wir wollen, dass alle Menschen, das heißt selbstverständlich auch Kinder, Jugendliche, Migrantinnen und Migranten und Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und teilhaben können.
#844
Armut, Arbeitslosigkeit und ein schlechter Zugang zu Bildung drängen jedoch nach wie vor zu viele Menschen an den Rand der Gesellschaft.
#845
Daher wollen wir allen Zugangsgerechtigkeit garantieren.
#846
Auch wenn diese Belange vorwiegend durch die einzelnen Staaten geregelt werden, kann die EU einen wichtigen Teil zur sozialen Teilhabe beitragen und mithelfen, dass Menschen nicht dauerhaft ausgegrenzt werden.
#847
Wir finden uns nicht damit ab, dass der Hinweis auf den demografischen Wandel, auf die Freizügigkeit im Binnenmarkt oder die vermeintlichen Sachzwänge der Globalisierung dazu herhalten sollen, den sozialen Schutz und soziale Rechte in Frage zu stellen.
#848
Gefordert ist vielmehr einerseits eine gerechtere Wirtschafts- und Steuerpolitik sowie eine bessere Bildungspolitik, die tatsächlich allen offen steht, andererseits muss der Schutzgedanke selbst europäisiert werden.
#849
Dies muss eine der Grundlagen des Sozialpaktes sein.
#850
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 82 Im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung 2010 müssen Pilotprojekte, die Wege aus der Armutsfalle aufzeigen, initiiert werden.
#851
Chancengleichheit herstellen und Diskriminierung bekämpfen Wir wollen ein diskriminierungsfreies Europa – und zwar im Beruf und im Alltag.
#852
Wir kämpfen daher für eine fünfte Anti-Diskriminierungsrichtlinie, die garantiert, dass es nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch im Alltag einen umfassenden Schutz vor Diskriminierung gibt.


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