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vom 02.03.2026 PDF
#806
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Eine Zeitlang schien es so, als ob die EU fortschrittlicher sei als ihre Mitgliedstaaten.
#807In der Lissabon-Strategie wurde vollmundig verkündet, dass Wirtschafts-, Beschäftigungs-, Sozial- und Umweltpolitik zusammenwirken müssten.
#808Allerdings hakt es gewaltig bei der Umsetzung, denn allein die wirtschaftlichen Ziele werden ernst genommen, während die sozialen und ökologischen Ziele aufgrund ihrer Unverbindlichkeit ins Abseits geraten.
#809Eine solche Unausgewogenheit hilft weder die Wirtschaft auf einen Nachhaltigkeitskurs zu bringen noch neue Wettbewerbsfähigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und neue und bessere Arbeitsplätze zu schaffen.
#810Es muss Sanktionen für jene Länder geben, die die bereits definierten Quoten wie beispielsweise bei der Frauenerwerbstätigkeit, der Anzahl der Kinderbetreuungsplätze, der Verringerung der Schulabbre- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 78 schnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 65 Stunden zu erhöhen und Bereitschaftszeit nicht als Arbeitszeit anzuerkennen.
#811Das lehnen wir ab, denn die derzeitige Begrenzung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit auf durchschnittlich 48 Stunden dient dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten.
#812Davon sowie von dem Grundsatz abzuweichen, dass Bereitschaftszeit voll und ganz als Arbeitszeit zählt, gefährdet nicht nur die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern hat langfristig auch negative ökonomische Folgen.
#813Anstatt die Höchstarbeitszeit weiter auszureizen, müssen reduzierte und flexible Konzepte der Arbeitszeitgestaltung forciert werden, was nicht nur die Erwerbsarbeitslosigkeit bekämpft, sondern auch einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten kann, wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen.
#814Frauenerwerbstätigkeit erhöhen, Lohngleichheit schaffen Wir wollen, dass Frauen gleichberechtigt am Berufsleben und den Karrierechancen teilhaben und endlich auch für sie Lohngerechtigkeit geschaffen wird.
#815Deshalb machen wir uns für eine wirksame Frauenförderung auf allen Ebenen und in allen Bereichen stark.
#816Wir wollen die EU-Mitgliedstaaten zu einer hohen Frauenbeschäftigungsquote verpflichten und dies an wirksame Sanktionsmöglichkeiten, beziehungsweise Quotenregelungen für Führungsetagen koppeln.
#817Um das europäische Grundrecht auf geschlechtergerechte Entlohnung endlich Realität werden zu lassen, muss Lohndiskriminierung stärker bekämpft werden, zum Beispiel durch Entschädigungszahlung und Bußgelder.
#818Wir setzen uns mit dafür ein, einen jährlichen Europäischen Tag des gleichen Entgelts (Equal Pay Day) zu etablieren.
#819Generalunternehmer haftbar machen – Schwarzarbeit bekämpfen Wir wollen eine Richtlinie zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, die sicherstellt, dass die Hauptunternehmen eines Auftrages da- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 79 für sorgen müssen, dass ihre Subunternehmen arbeitsrechtliche Standards einhalten und ihren sozialversicherungsrechtlichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.
#820Auch Menschen, die im Bereich personennaher Dienstleistungen arbeiten, müssen grundsätzlich sozialversichert sein.
#821Schwarzarbeit schadet der Wirtschaft, verweigert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sozialen Schutz und Rechte, beschränkt Steuereinnahmen, ist damit zutiefst unsolidarisch und führt zu unfairem Wettbewerb.
#822Allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ihr Recht auf Freizügigkeit gewähren Wir wollen, dass die Bundesregierung die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit sofort beendet.
#823Es ist beschämend, dass Deutschland Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Mittel- und Osteuropa nach wie vor als EU-Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt und ihnen als eines von ganz wenigen Mitgliedstaaten in den meisten Fällen verbietet, legal zu arbeiten.
#824Dabei hat sich die ursprüngliche Sorge, dass die Öffnung des Arbeitsmarktes nach Osten zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit führt, längst als unbegründet erwiesen.
#825Der Effekt dieser restriktiven Arbeitsmarktpolitik ist vielmehr ein anderer: Menschen, die gerne in Deutschland arbeiten und Steuern zahlen möchten, werden diskriminiert und in die Schwarzarbeit gedrängt.
#826Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerrechte garantieren, Rechte von entsandten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stärken Wir wollen, dass das Recht jeder EU-Bürgerin und jedes EUBürgers auf Gleichbehandlung mit inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch wirklich umgesetzt wird.
#827In der Entsenderichtlinie muss klargestellt werden, dass entsandte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Dienstleistungen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 80 sind, sondern entsprechend des EG-Vertrages ein Recht auf Gleichbehandlung mit inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben.
#828Zudem muss gemäß des Grundsatzes des gleichen Lohns für gleichwertige Arbeit am gleichen Ort in der Richtlinie deutlich gemacht werden, dass nationale Tarifverträge in ihren verschiedenen Ausprägungsformen den gleichen Stellenwert haben wie gesetzliche Mindestlöhne.
#829Auch dürfen die Kontroll- und Ordnungsrechte der Mitgliedstaaten nicht eingeschränkt und die Rechte der Tarifpartner einschließlich des Streikrechtes nicht beschnitten werden.
#830Gute Arbeit« fördern Wir wollen, dass sich Beschäftigungs- und Arbeitspolitik am Konzept der »Guten Arbeit« orientiert.
#831Gut ist eine Arbeit, die den Ansprüchen der Beschäftigten an die Gestaltung der Arbeitswelt gerecht wird und die einen gerechten, angemessenen Lohn garantiert.
#832Das heißt vor allem auch, dass Flexibilität in der Arbeitswelt mit sozialer Sicherheit verbunden sein muss.
#833Arbeitsrechtliche Standards dürfen nicht aufgrund so genannter flexibler Arbeitsverhältnisse – etwa Leiharbeit, Minijobs oder Scheinselbständigkeit, ausgehöhlt werden.
#834Wir fordern daher eine europäische Definition von Selbständigkeit, die Scheinselbständigkeit ebenso wie »Briefkastenfirmen« so weit wie möglich verhindert.
#835Europäische Betriebsräte stärken Wir wollen, dass Betriebsräte europäisch agieren können, wenn europaweit tätige Unternehmen ihre Unternehmenspolitik standortübergreifend formulieren.
#836Das schließt stille Übernahmen und Teilübernahmen genauso ein wie Verlagerungen und Teilverlagerungen.
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